Uganda: Erst Zertifizierung, dann Vermarktung
Bio? Ja! - doch Auflagen verhindern den Marktzugang
Behördliche Auflagen machen in Uganda Zertifizierungsprozesse notwendig, um Kleinbäuerinnen Marktzugang und damit Einkommen zu sichern. Die teuren Zertifizierungsprozesse können nun über Spenden finanziert werden.
Seit einigen Jahren bildet Proscovia Nankya erfolgreich Kleinbäuerinnen und -bauern in organischem Landbau aus. Sie kennt ihre Sorgen und Nöte, arbeitet mit ihnen auf ihren Feldern und lehrt die Weiterverarbeitung von Lebensmitteln, das Verpacken und Vermarkten. Inzwischen gehören 320 Bio-Kleinbäuerinnen und -bauern zu ihrem Netzwerk.
Als die geschulten Bauern genug Lebensmittel auf ihren Feldern ernteten, um ihre Familie zu versorgen, stellte sich die Frage, wie sie zusätzlich Einkommen erzielen könnten. Die energische Unternehmerin Proscovia Nyanka hatte die Idee: Sie stellte eigenes Land zur Verfügung, nach und nach konnte sie eine kleine Produktionsanlage für Bananenchips, getrocknete Ananas, verschiedene Obstweine, Saft, Tomatenketchup und Marmeladen aufbauen. Die Bäuerinnen und Bauern lieferten die Früchte. Der Direktverkauf auf Märkten in Kampala wie auch an regionale Zwischenhändler florierte und die Nachfrage stieg ständig. Die Gewinne wurden unter allen Beteiligten aufgeteilt bzw. in die Produktionsanlage reinvestiert. Ein Erfolgsmodell, von dem Bäuerinnen, Bauern und Proscovia Nankya profitierten. Ein idealer Kreislauf von organischer Erzeugung über Verarbeitung und Vermarktung bis zur Reinvestition wurde etabliert.
Alles ging gut, bis der Verkauf einen Umfang annahm, dass die ugandischen Behörden aufmerksam wurden und einen Zertifizierungsprozess verlangten. Schnell wurde deutlich, dass die kleine Produktionsanlage bauliche Auflagen erfüllen musste. Ein zusätzlicher Wassertank musste gebaut und die Anlage elektrifiziert werden. Der Wassertank wurde aus eigenen Mitteln bezahlt, die Elektrifizierung durch Spenden ermöglicht.
Jetzt müssen in beiden kleinen Produktionshallen abwaschbare Deckenkonstruktionen eingebaut werden; Fenster und Türen brauchen spezielle Fliegennetze. Alle Produkte müssen im Labor auf ihre Inhalts- und mögliche Zusatzstoffe getestet werden. Und schließlich wird die Gebühr für das staatliche Gutachten fällig. Alles Kosten, die Proscovia Nankya und die beteiligten Kleinbauern nicht mehr aus eigenen Mitteln bestreiten konnten und die nun durch die eingegangenen Spendengelder finanziert werden können.
Bis Mai 2011 soll der gesamte Zertifizierungsprozess abgeschlossen sein. Einmal zertifiziert, können alle Produkte sowohl in Uganda als auch international verkauft werden. Die Bäuerinnen und Bauern werden wieder einen gesicherten Absatzmarkt für ihre Bio-Lebensmittel und ein gesichertes Einkommen haben.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


