Biotoiletten: Grün in der Wüste durch Abwasserrecycling
Modelltoiletten in Slum-Kindergärten regen zur Verbreitung von Hygiene und Begrünung an.
Lima, die Hauptstadt Perus, hat ca. 10 Mio. Einwohner. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn der überwiegende Teil ihrer Bewohner ist nicht registriert. Diese Menschen leben vor allem an den Rändern des Stadtgebiets, wo sich Slumsiedlungen die Wüstenhügel hinaufziehen. Wasser ist das größte Problem in den Siedlungen. (Ab-)Wassersysteme gibt es hier nicht. Genau so wenig wie Elektrizität. Je weiter die Ansiedlung vom Stadtzentrum entfernt ist, desto teurer ist das Wasser, das vom Tankwagen gekauft werden muss.
Die Menschen kamen hierher als Folge der Guerilla-Bekämpfung – des internen Krieges – in den 80er und 90er Jahren. Heute kommen sie, um in Lima Arbeit zu finden. Sie bleiben aus Alternativlosigkeit.
Unterstützt durch die Organisation Aynimundo arbeiten sie daran, ihre Orte zu verbessern. So bauten sie in sechs Armenvierteln Kindergärten auf – kleine Refugien für Kinder, in denen sie betreut werden, spielen können, während ihre häufig allein erziehenden Mütter arbeiten gehen.
In diesen und weiteren Kindergärten sollen nun Latrinen durch Biotoiletten ersetzt werden. Biotoiletten recyceln Abwasser und gewinnen kostbares Nass zur Begrünung. Das funktioniert wie folgt: Wasch- und Toilettenwasser fließt durch das Rohr (siehe Grafik, 1) in den Biozersetzertank. Bakterien beginnen dort mit der Zersetzung. Feste Materie setzt sich im unteren Bereich ab. Die aufsteigende Flüssigkeit wird durch den Filter (2) gereinigt und über ein ableitendes Rohrsystem (3) zur Tropfenbewässerung von Grünpflanzen verwendet. Einmal jährlich müssen die festen, zersetzten Reste abgelassen werden. Es gibt keine Geruchsentwicklung.
Biozersetzer gibt es in den unterschiedlichsten Nutzungskapazitäten: von der Haushaltsgröße (tägl. Nutzungskapazität 5 Personen) bis zur Institutionengröße (500 Personen tägl. Nutzung). Mindestens 35 Jahre Nutzungsdauer werden vom Hersteller garantiert.
Das Ergebnis der Biotoiletten ist Leben spendendes Grün im Wüstengrau. Ein hygienisches Beispiel, das die Menschen im Kindergarten kennen lernen können, um es in ihren eigenen Häuschen anzuwenden.
Für den Aufbau der Biotoiletten in den ersten fünf Kindergärten sind 17.500 Euro notwendig, dies sind pro Kindergarten 3.500 Euro.












