Mobile Pflanzenklinik im Kathmandu-Tal

Mobile Pflanzenkliniken ermöglichen die Verbreitung von Wissen über Pflanzenkrankheiten und den Erhalt der Pflanzengesundheit

Plant Clinic in Dhading – jeder bringt erkrankte Pflanzen mit
Plant Clinic in Dhading – jeder bringt erkrankte Pflanzen mit

80% der nepalesischen Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, weit überwiegend in Subsistenzwirtschaft. Die besten Grundlagen bietet das flache Teraigebiet an der Grenze zu Indien. Die Anbaubedingungen im Mittelland, dessen ursprünglich bewaldete Hügel eine Höhe von bis zu 3.000 m erreichen, sind ungleich schwieriger. Jahrelanger Monokulturanbau und die hohe Zuführung chemischer Pflanzenschutzmittel haben die terrassierten Böden ausgelaugt. Die Bauern sahen sich gezwungen, ihren Anbau auf größere Landflächen auszudehnen. Dies führte zu einer Anbauweise, in der auch Terrassenränder ganz bebaut wurden. Bäume und Sträucher, die die Befestigung der Terrassen absicherten und Wasser im Boden hielten, verschwanden. Die Folge sind starke Erosionsschäden und zunehmende Austrocknung der Flächen. Gleichzeitig nahm die Artenvielfalt ab; genauso wie das Wissen um Pflanzengesundheit und Bodenfruchtbarkeit. Trotz harter Arbeit erwirtschaften die BerbäuerInnen für sich und ihre Familien mit ihren kleinen Landflächen oft keine ausreichende Lebensgrundlage mehr. Neue Wege müssen begangen werden. Doch die Informationsverbreitung in den schwer zugänglichen Gebieten ist ein Problem. Als Berater treten oft nur Händler von Pestizid- und Saatgutfirmen auf, meist mit unzureichenden oder stark einseitig interessengelenkten Informationen.

Hier setzt unser Projektpartner die „Gesellschaft für Ressourcenerhalt und landwirtschaftliche Entwicklung“, Secard, ein. Maheswar Ghimire und das Team junger Landwirtschaftsberater gehen auf die Gemeinden zu und bieten ihnen ein Beratungsprogramm – die „mobile Pflanzenklinik“ – an.

Mailee Magar im Gespräch mit Shalik Ram von Secard
Mailee Magar im Gespräch mit Shalik Ram von Secard

Die mobile Pflanzenklinik:

Dorfmitglieder kommen in öffentlichen Treffen zusammen. Das gemeinsame Thema ist die Pflanzengesundheit und die Frage, wie diese am besten erhalten werden kann. Denn Ernteverluste durch Krankheiten und Schädlinge, aber auch Ernteverluste und Gesundheitsschädigungen durch falsch angewandte Pflanzenschutzmittel, sind neben Bodenerosion und fehlendem Wasser das schwerwiegendste Problem in der Region.

Im Rahmen der mobilen Pflanzenklinik erhalten die BergbäuerInnen daher Informationen zu bekannten Pflanzenkrankheiten und wie sie diese verhindern können. Als konkrete Anschauungsmaterialien zum Erkennen der Krankheiten dienen die von den einzelnen Farmern mitgebrachten Pflanzen und Fotos. Die Erkrankungen der Pflanzen werden im Gespräch mit den Beratern diagnostiziert. Gezielt wird durch diese Form der Austausch der BergbäuerInnen kultiviert. Altes Wissen kann gemeinsam neu aufgegriffen werden. Neue Erfahrungen können sich schnell verbreiten. Neu auftretende Krankheiten werden früher erkannt und die besten Lösungen ihrer Verhinderung in gegenseitiger Unterstützung entdeckt. Durch den Austausch der Informationen und Erfahrungen wächst das Wissen über die Pflanzengesundheit als geteiltes, gemeinsam geprägtes Gemeingut der Bergbauerngemeinden.

Ein weiteres Ergebnis der Gespräche innerhalb der mobilen Pflanzenklinik ist, dass es immer wieder um die Arbeit mit dem Boden selbst geht. Angepasst an die jeweiligen Verhältnisse vor Ort, schulen die Mitarbeiter von Secard daher auch die grundlegende, systematische Arbeit zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit durch das Kompostieren, Wiedereinführen von Mischkulturen und Neuanpflanzung von Bäumen. Der kostenintensive Einsatz externer, chemischer Mittel kann minimiert werden.

Mailee Magar aus dem Dorf Kushunde ist eine der Kleinbäuerinnen, die an der mobilen Pflanzenklinik teilnahm. Ihre Familie bewirtschaftet seit Generationen ein kleines Stück Land. Sie gründete mit Nachbarn eine Selbsthilfegruppe und überzeugte die Mitarbeiter von Secard Nepal, mit ihrer Gruppe zusammenzuarbeiten.

Mittlerweile stellt sie ihren eigenen Kompost und natürliche Düngemittel her, mit denen sie die Fruchtbarkeit ihres Landes wieder stärken konnte. Auch die Herstellung verschiedener Pflanzenschutzmittel aus Heil- und Giftpflanzen der Umgebung hat sie gelernt. Im Rahmen der mobilen Pflanzenklinik diskutiert sie selbstbewusst mit den Beratern von Secard und den anderen Bauern. Ihr neu erlerntes Wissen teilt sie mit ihren Nachbarn. Sie wolle es gemeinsam mit ihrem Mann auch an ihre drei Kinder weitergeben, berichtet sie stolz.

 

Derzeit werden 300 Haushalte von Secard begleitet, die in Selbsthilfegruppen organisiert sind. Durchschnittlich leben sechs Familienmitglieder in einem Haushalt. So profitieren 1.800 Menschen unmittelbar von der Arbeit, mittelbar zieht die Arbeit weitere Kreise. Zur Durchführung der mobilen Pflanzenkliniken, sowie der weiteren Schulungen sind in diesem Jahr 9.920 € notwendig. Pro Haushalt und Jahr sind dies ca. 33 Euro.

 

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