EINE LEBENSAUFGABE- FRAUENRECHTE STÄRKEN
Die Frauenunion in Nepal verbindet politische Aufklärungsarbeit, Mitwirkung in Menschenrechtskommissionen oder Gesetzgebungsvorhaben mit individueller Hilfe und Begleitung sowie wirtschaftlicher Initiative.
Namuna ist 17 Jahre alt. Ihr Ehemann versuchte, sie zu verbrennen, weil ihr erstgeborenes Kind ein Mädchen ist. Ihre Dorfnachbarn brachten Namuna zur Frauenunion, die sie in ein Krankenhaus einlieferte. Die Behandlung ihrer schweren Brandwunden dauert nun schon Monate. Die Kosten trägt die Frauenunion. Das Schicksal von Namuna ist kein Einzelfall. Häusliche Gewalt, überhaupt Gewalt gegen Frauen, ist in Nepal sehr häufig. Seit Anfang der 1980er-Jahre versuchen Renu Sharma und Kamala Upreti, diese Situation zu ändern. Und für inzwischen 11.000 Frauen konnten sie viel erreichen.
Renu Sharma und Kamala Upreti kamen Anfang der 80er-Jahre aus dem Osten Nepals in die Hauptstadt Kathmandu. Das Erlebnis, das ein Mädchen aus ihrem Dorf von einer Arztfamilie in die Hauptstadt geholt worden war, motivierte sie. Angeblich sollte es zur Schule geschickt werden. Doch es wurde als Haushaltshilfe verkauft. Die Unterstützung dieses Mädchens war der Ausgangspunkt ihres Engagements, das bis heute ihr Leben ausfüllt.
Die beiden Soziologinnen gründeten die Frauenunion. Sie bietet vielfältige Angebote für Frauen, die Opfer von Gewalt wurden. 2002 führte ihr Engagement zur Begegnung mit der Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe.
In der Zusammenarbeit wurde es möglich, das erste Frauenhaus in Nepal aufzubauen. Zumeist unsagbar zerschunden suchen die Frauen mit ihren Kindern Zuflucht und erhalten medizinische Behandlung und psychologische Beratung. Aktuell leben 80 Kinder und 30 Frauen im Frauenhaus. Im Februar 2012 konnte ein zweiter Gebäudeflügel fertig gestellt und feierlich eingeweiht werden. Nun können weitere Frauen aufgenommen werden.
Die Frauenunion bietet Rechtsbeistand: Allein im Jahr 2011 wurden 285 Frauen und 250 Kinder in Rechtsprozessen vertreten. Meist werden außergerichtliche Vergleiche angestrebt. Dazu Renu Sharma: „Ein Vergleich gibt beiden Seiten das Gefühl, gewonnen zu haben, und stellt eine gute Grundlage für nächste Entwicklungsschritte dar.“ Dieser Satz ist ein Ausdruck ihrer Arbeit. Renu Sharma schafft es – trotz Todesdrohungen und aller schrecklichen Erfahrungen – ihre Arbeit jenseits der bestimmenden Kasten,
Religion und wirtschaftlichen Situation anzusiedeln. In der Frauenunion arbeiten Männer und Frauen miteinander an der gesellschaftlichen Veränderung der Stellung der Frau. Ausdruck dieser Arbeit ist auch die Gesetzesnovelle, die 2006 erstmals Frauen in Nepal das Recht einräumte, unabhängig von ihren Ehemännern, Vätern oder älteren Brüdern rechtsfähige Subjekte, also Staatsbürgerinnen zu sein.
Damit Frauen befähigt werden, ein Leben in Würde und Selbstständigkeit aufzunehmen, erhalten sie während ihrer Aufenthaltszeit im Frauenhaus Alphabetisierungskurse und eine Ausbildung. Bei ihrem Schritt in die Unabhängigkeit werden sie mit einem Mikrokredit als Starthilfe ausgestattet. Vom Mikrokreditprogramm profitieren zurzeit 2.743 Frauen.
Zwei Kindertagesstätten, eine davon in Kathmandu, eine in
Jhapa, geben alleinerziehenden Müttern und sehr armen Frauen die Möglichkeit, arbeiten zu gehen und doch ihre Kinder gut versorgt zu wissen. In Kathmandu können einige Frauen auch einen kleinen monetären Beitrag leisten, im noch ärmeren Jhapa ist das nicht möglich.
Die Frauenunion versucht, langfristig die Mittel für ihre Sozialarbeit, für die Versorgung in den Frauenhäusern, die Schulgelder für die zahlreichen Kinder der Schutz suchenden Mütter und den Rechtsbeistand selbstständig zu decken. Dazu betreibt sie einen eigenen Bauernhof, der Gemüse und Milch für die Frauenhäuser und Kindertagesstätte erzeugt, sowie ein Produktionszentrum. Im Produktionszentrum, in dem Stoffe, Textilien und Schals hergestellt werden, arbeiten zurzeit 80 Frauen sowie
drei Männer, weitere 20 Frauen werden ausgebildet. Von den Gewinnen des Produktionszentrums gehen 60 % zurück an die Frauenunion, 20 % gehen zusätzlich zum Lohn als Bonuszahlung an die Arbeitenden, die übrigen 20 % decken Strom- und Produktionskosten.
Noch ist die Frauenunion zum Ausbau ihrer wirtschaftlichen
Aktivitäten auf Unterstützung angewiesen – zum Ausbau des Produktionszentrums und des Mikrokreditprogramms. Auch zum Unterhalt der Kindertagesstätte in Jhapa sind weitere Mittel erforderlich.
Spendenzweck: Frauenunion Nepal



