Gesundheit im Wechsel der Jahreszeiten

Frauen beim Gesundheitszirkel
Frauen beim Gesundheitszirkel

Gesundheitszirkel und Jahreskalender führen zur Reduzierung von Krankheiten

Etwa 30 Frauen aus der indigenen Gemeinde im Hochland von Chiapas kommen zusammen. Heute ist das Thema Ernährung und Gesund­heit. Der Arzt, Dr. Marcos Arana, überlegt mit den Anwesenden, wann im Jahr welche und wie viele Lebensmittel zur Verfügung stehen. Es entsteht das Bild eines Jahreszeitenkreises, ori­entiert an der jährlichen Vorbereitung des Bo­dens, der Aussaat und der Ernte.

Im zweiten Schritt tragen die Frauen zusammen, wann im Jahr welche Krankheiten gehäuft auftreten. Schließlich überlegen noch alle, welche Feste und Ereignisse den Jahreslauf prägen.

Das Bild macht schnell deutlich: Besonders problematisch sind der Mai, der Juni und der Juli. Es ist die Regenzeit, die Zeit vor der Aus­saat. Jetzt werden die ohnehin geringen Le­bensmittel knapp, für die oftmals unterernährten Kleinkinder besonders gefährlich. Der Regen lässt Parasiten zunehmen und bringt Erkältungskrankheiten. Verschmutztes Trinkwasser führt zu Durchfällen.

Ergänzend lernen die Frauen an diesem Tag, welche Symptome zu welchen Krankheiten ge­hören. Gemeinsam tragen sie zusammen, welche Vorbeugungsmaßnahmen sie treffen kön­nen. Am Ende des Tages entsteht ein komplettes Bild des Jahres. Im Mai, Juni, Juli gilt bei­spielsweise: Lasst uns sicherstellen, dass unsere Kinder nur abgekochtes oder gefiltertes Was­ser trinken. Hunde gehören wegen der Parasiten nicht ins Haus. Gerade in diesen Monaten ist es besser, chemische Düngemittel zu vermeiden. Sie werden vom Regen ausgewaschen und gelangen ins Trinkwasser.  Lasst uns unsere Wasserquellen schützen.

Beraten von Dr. Arana überlegen die Frauen, wie sie diese Tipps umsetzen können. Nach und nach wächst so das Bewusstsein zur Förderung der eigenen Gesundheit. Den Frauen werden ihre ei­genen Ressourcen und Handlungsmög­lichkeiten bewusst. Dann folgt noch eine Unterweisung in Heilpflanzenkunde. Die lokalen Heilpflanzen und ihre Anwen­dung werden vermittelt.

Bewusstsein über die eigenen Möglichkeiten und Ressourcen zu schaffen, ist Dr. Marcos Arana ein wichtiges Anliegen. Für die Arbeit in 27 Gesundheitszirkeln im Hochland von Chia­pas sind pro Jahr 5.000 Euro erforderlich. Das macht pro Zirkel und Monat 17 Euro.

Gemeinschaftliche Betrachtung führt zu Problemlösungen

In der indigenen Gemeinde La Soledad zeigte das Kalenderbild die folgenden Zusammenhänge:

Obwohl diese Gemeinde regional für ihren guten Mais gerühmt wurde, lag die Unternährung von kleinen Kindern deutlich über dem regionalen Durchschnitt. Die gemeinsame Betrach­tung erbrachte den Grund: Weil ihnen die eigenen Transportmöglichkeiten fehlten und sie den Preisverfall nach der Ernte fürchteten, verkauften die Kleinbauern ihren Mais noch vor der Ernte an Zwischenhändler. Zumeist lag der Preis unter dem Durchschnitt. Nur den überle­bensnotwendigen Maisanteil behielten sie zurück. Im Gegenzug kauften die Bauern die  von den Händlern mitgebrachten Ferkel. Dabei behielten sie nur wenig Geld übrig.

Über die Monate zehrte die Mast der Ferkel zusätzlich an den knappen Maisvorräten. Im Moment der größten Knappheit tauchten dieselben Zwischenhändler wieder auf. Sie brachten Mais und kauften die gemästeten Schweine. Aufgrund der Notlage für einen Preis, der unter den Kosten liegt.

Das Kalenderbild verdeutlichte diese Abhängigkeit. Dieses Bild vor Augen, bauten die die Bauern eigene Saatgutspeicher auf. Durch eine Erweiterung der Fruchtfolge um Bohnen, Ge­müse und Früchte bereicherten sie ihren Speiseplan und reduzierten Abhängigkeiten.

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