Neue Lebens- und Produktionsweisen als Herausforderung für Massai
Der Süden Kenias und der Norden Tanzanias sind Massailand. Traditionellerweise leben die Massai als Halbnomaden von ihre Rindern, Ziegen und Schafen. Heute müssen sie nach Alternativen suchen.
Weite Landstriche durchquerend, fanden früher die Massai auch bei langen Trockenzeiten noch Gras für ihre Herden. Doch die Privatisierung von Land verunmöglicht die Wanderungen. Dazu kommt der Klimawandel. Ausbleibende Regenzeiten verwandeln die gesamte Region über immer längere Zeiten in eine Halbwüste. Deshalb sind auch traditionell lebende Massai gefordert, nach Alternativen für ihr Überleben zu suchen. Ein Beispiel:
Bis 2006 lebten Herr und Frau Nkini von ihren Herden – genauso wie die anderen Maasai-Familien in dem dünn besiedelten Gebiet. Da die Gegend häufig von Dürre heimgesucht wurde, änderte sich die Größe ihrer Herde beständig. Hatte es ausreichend geregnet, wuchs sie bis auf 50 Rinder und 65 Schafe. Kam es zu Dürre, verloren sie bis zu 50% ihres Viehs. Die Dürre 2005/2006 überlebten nur fünf von 50 ausgewachsenen Rindern. Die Familie versuchte, ihre Herde wiederaufzubauen. Doch es kam erneut zu einer Dürrephase und alle Rinder starben. Übrig blieben acht Schafe.
Bis zu diesem Zeitpunkt betrachteten Herr und Frau Nkini bäuerliche Landwirtschaft nicht als anerkennenswerte Beschäftigung. Dann kam Frau Nkini in Kontakt mit den Landbautrainern unserer Kleinbäuerinnenorganisation SACDEP. Sie gründete eine Frauengruppe und nahm an ersten Schulungen im organischen Landbau teil. Nach etwa einem halben Jahr fuhr sie als Repräsentantin ihrer Gruppe fünf Tage lang zu einer erfolgreich arbeitenden Kleinbäuerinnengruppe. Es war ein organisierter Austauschbesuch als Anschauungsunterricht. Dieser Besuch wurde zu einem Wendepunkt.
Zurück Zuhause versuchte sie, all das, was sie in den fünf Tagen gesehen hatte, direkt umzusetzen. Sie tauschte sich mit ihrem Ehemann aus. Gemeinsam erörterten sie, was die praktischsten, am besten zu realisierenden Elemente all derer sein konnten, von denen sie erfahren hatte und überlegten, in welchen Schritten sie anfangen sollten.
In dieser Diskussion kamen sie zu dem Schluss, dass Wasser der wichtigste Faktor sein würde, um organischen Landbau erfolgreich zu betreiben. Deshalb reparierten sie zunächst den 500 Liter Tank, den sie Zuhause hatten. Gleichzeitig erhielt die Frauengruppe, zu der Frau Nkini gehört, eine Erstausstattung an Werkzeugen für den Anbau und Baumaterialien für einen weiteren Wassertank. Die Gruppe entschied, dass dieser erste Gruppentank neben dem kleinen, mit Wellblech gedeckten Haus von Frau Nkini gebaut werden sollte, denn so konnte das Dachwasser im Tank gesammelt werden. Frau Nkini begann mit einem kleinen Gemüsegarten (Bohnen, Mais, Kohl) in unmittelbarer Nähe des Tanks. Über die Zeit wuchsen die Erträge bis es für die Versorgung der gesamten Familie reichte. Dann begann sie, die überschüssigen Erträge an Nachbarn zu verkaufen und sie vertieften per Hand eine Senke, um dort während der Regenzeit mehr Wasser sammeln zu können. Je mehr Nachbarn kamen, desto mehr weiteten Herr und Frau Nkini ihren Gemüsegarten aus. Nach zweieinhalb Jahren hatte die Familie bereits 110.000 Kshs (857 Euro) gespart. Mit diesem Geld mieteten sie zwei Bagger und bauten, unterstützt von den erfahrenen Beratern unseres Kooperationspartners, ein Wasserreservoir. Das Wasserreservoir und die Ausweitung ihres Gemüseanbaus ermöglichten der Familie, Arbeitsplätze zu schaffen und drei Nachbarn einzustellen. Das Gemüse wird inzwischen nicht mehr nur von den Nachbarn gekauft. Vielmehr tragen die Frauen der Gruppe ihr Gemüse gemeinsam zum Markt in die nächstgelegene Ortschaft Kajiado.
Inzwischen verdient damit die Familie durchschnittlich etwa 16.500 Kshs (128 Euro) pro Monat. Sie sind nicht mehr von der Rinderhaltung abhängig. Sie haben noch einige Kühe, um „unsere Kultur weiter aufrechtzuerhalten“ so Frau Nkini. Frau Nkini und ihre Gruppe wurden zu Akteurinnen des Wandels in dieser Gemeinde. Der Gemüsegarten der Familie Nkini wurde nun von der Distriktregierung als „Trainingsort für biologische Landwirtschaft in semiarider Umgebung“ ausgewählt. Viele besuchen den Ort, um zu erfahren und zu lernen – und das Gelernte Zuhause umzusetzen.
Für Werkzeuge, Tankbaumaterialien, Kleinvieh, Beratungs- bzw. Trainingsleistungen sind in 2011 noch insgesamt 29.196 Euro an Eigenmitteln erforderlich. Bei 1.880 Bäuerinnen, die in diesem Jahr geschult werden, sind dies ca. 15 Euro pro Bäuerin und Jahr.
Ihre Spende wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit vervierfacht.
Spendenstichwort: Kleinbäuerinnen in Kenia


