Schmuck als Lebensversicherung
Ausbildung zur Silberschmiedin und Schmuckdesignerin in Kabul
Der Besitz von Schmuck ist in Afghanistan kein Luxus. Schmuck ist in Afghanistan auch heute noch der einzige Besitz, der Frauen anstandslos zugestanden wird. Schmuckbesitz sichert ab gegen die Unwägbarkeiten des Lebens: Frauen setzen ihn bei Scheidung, finanziellen Engpässen oder für die Versorgung im Alter ein.
Mit der Hochzeit verlassen Frauen in Afghanistan ihre Familien. Sie werden Mitglied einer neuen Familie, der ihres Ehemannes. Ihre eigene Familie hat nun traditionell keinerlei Verpflichtung mehr ihnen gegenüber. Vor einer Eheschließung verhandeln die Familien von Braut und Bräutigam miteinander. Der zukünftige Ehemann muss nicht nur die Hochzeitsfeier bezahlen, sondern seiner Braut auch Geschenke machen. Kostbare Geschenke. Der Großteil dieser Brautgeschenke besteht aus Schmuck. Er ist der Besitz der Frau, über den sie alleine verfügen kann.
Dementsprechend ist der Beruf des Gold- und Silberschmieds begehrt und krisensicher – und eine Männerdomäne. Seit Oktober 2008 gibt es nun die Möglichkeit, in einem ersten professionellen Ausbildungsgang 15 Frauen zur Silberschmiedin/Schmuckdesignerin auszubilden. Dies geschieht im NAZO Ausbildungszentrum, das wir bereits für den Ausbildungsgang „Frauenschneiderin“ gefördert haben (siehe EWH-Brief Nr. 32).
Vorangegangen war ein Pilotprojekt, um zu erfahren, ob sich genügend Interessentinnen für diesen anspruchsvollen Beruf finden lassen. Über die ersten Erfahrungen mit seinen weiblichen Lehrlingen sagt Silberschmied-Lehrer Schudschah: „Ich war sehr überrascht, wie schnell und leicht die Frauen das Schmuckhandwerk erlernen können. Meiner Meinung nach gestalten sie präziser und kreativer als meine männlichen Lehrlinge.“
18 Monate dauern die Kurse. Die Frauen lernen neben der Silberschmiedekunst auch das Schleifen von Edelsteinen. Hier geht es um Kenntnisse rund um die Edelsteine Afghanistans, des Irans und Iraks und deren Verarbeitung zu Schmuck, aber auch zu Gürteln, Taschen, Wandbehängen etc.
Die Silberschmiedinnen gehen engagiert an ihre breite und fundierte Ausbildung, und arbeiten daran, sich zukünftig in der von Männern dominierten Arbeitswelt Afghanistans zurechtzufinden und einen eigenständigen Platz zu erobern.
Ihre Spende wird aus Mitteln der deutschen Bundesregierung verdreifacht. Die Ausbildung kostet 80 Euro pro Monat und Schülerin.


