Färben und Filzen in den Hoch-Anden

Alpaka-Wolle
Alpaka-Wolle

Solarenergie schafft Arbeitsplätze auf 3.800 Meter Höhe

In der peruanischen Region Cusco arbeitet nun schon seit 2001 auf 3.800 m Höhe eine Solar-Wäscherei für die Alpaka-Wolle von 630 Alpaka-Züchtern. 52 qm Solarpaneele erwärmen das Waschwasser auf 55 C°. 2004 wurden 4.300 kg Alpakawolle gewaschen. Im Jahr 2006 kamen kleine Spinnmaschinen dazu. Die überschaubare Kleintechnologie sichert den strickenden Frauen einen gleichmäßigen Spinnfaden und vor allem mehr Garn für weitere Verkaufswaren. Jetzt runden eine Färberei und eine Filzerei die Wollverarbeitung vor Ort noch ab.

Pflanzenfärben als Teil der Identität der Indigenas

Mit nur vier Grundstoffen können hunderte von Farben gemischt werden: Das Scharlachrot kommt von den Cochenille-Läusen auf den heimischen Feigenkakteen. Orange liefert die lokale Ratanhia-Wurzel. Gelb gibt die Chilika-Pflanze, welche an Bächen wächst. Nur das Indigo kommt aus El Salvador. Gebeizt wird die Wolle ausschließlich mit Alaun und Weinstein ohne giftige Beize. Die Solaranlage der Wäscherei senkt den Energiebedarf für das Färben erheblich.

Die Farbkombination drückt die Zugehörigkeit zu einer indigenen Gemeinschaft aus. Sie ist Teil der eigenen Identität. Diese wurde durch die chemischen Anilinfarben korrumpiert. Das alte Färberwissen ging verloren.

Hoch war deshalb der Zulauf zu Pflanzenfärbekursen von Christa Laiß und Dieter Kaiser aus Ingersheim. Jetzt können die mit wunderschönen Pflanzenfarben gefärbten Wollstränge ihre volle Schönheit entfalten. Die Strickerinnen verarbeiten sie zu Mützen, Schals, Handschuhen, Ponchos etc. und finden damit neue Abnehmer.

Von der Wolle bis zum Filzstoff
Von der Wolle bis zum Filzstoff

Filzen - eine begeisternde Tätigkeit

Das Filzen war den indigenen Frauen zunächst fremd. Heute besuchen viele von ihnen die Kurse, denn sie entdeckten schnell, dass mit dem Filz warme Kleider, Hausschuhe und vor allem Schlafunterlagen für die Kinder hergestellt werden können. Die erste Filzwerkstatt in den Anden wurde geboren.

Handwerkliches Können ist nötig bei breiteren Stoffen, bei gleichen Mustern oder bei Zusätzen wie Henkeln oder Innentaschen. Zunächst lernten die Frauen, einfache aus solargewaschener und gefärbter Alpaka-Wolle zu filzen. Jetzt können sie die Größen berechnen, Wolle legen und Muster entwerfen. Schließlich wurden mehrere Modelle für eine ansprechende Kollektion erstellt.

Alles in einer Hand - von der Schur bis zum Poncho

Durch Ihre Spenden konnte eine zweckmäßige Färbeküche und eine Filz-Werkstatt installiert werden.

Heute kann die gesamte Wollverarbeitung von der Schur bis zum fertigen Endprodukt vor Ort geleistet werden. Viele Menschen finden Sinn und Einkommen. Die ökologische und sozialverträgliche Produktion nützlicher und schöner Wollprodukte gibt den indigenen Gemeinschaften wieder Identität und Selbstverwirklichung.

Christa Laiß und Dieter Kaiser berichten: "Wie wichtig das ganze Projekt für die Menschen ist, haben wir an vielen Erlebnissen festgestellt. So nahmen manche Frauen bis zu zwei Stunden Weg zu unseren Kursen auf sich. Selbst Fieber und Erkältung hielten sie nicht von der Arbeit ab. Und kaum hatte es sich herumgesprochen, dass in unserem Ort Tinki gefärbt und gefilzt wird, so kamen die Leute aus den Bergen und fragten nach Arbeit."

Hierfür einen herzlichen Dank!

 

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