Eine Lebensquelle - Wenyewe-Bewässerungskanäle

Selbstverwaltete, kleinräumige Bewässerungssysteme ermöglichen ganzjährigen Anbau.

Kenia gehört zu den Ländern mit den geringsten Wasservorräten pro Person. 750 Liter pro Person und Jahr sind durchschnittlich verfügbar. In Uganda und Tansania sind es etwa 1.500 Liter. 70% des Landes sind als aride bzw. semiaride Fläche ausgewiesen. Jährlich fallen hier nur 1.000 mm Niederschlag. Auf 30% der Landesfläche fallen 1.500 bis 2.500 mm Niederschlag. Dort leben drei Viertel der Bevölkerung. Leitungswasser ist nur für ca. 30% der Bevölkerung zugänglich. 70% der Bevölkerung entnehmen ihr Wasser aus Flüssen, Quellen oder aus mit der Hand gegrabenen Brunnen.

Frauen sind dafür verantwortlich, das Wasser für den gesamten Haushalt zu besorgen. Männer tragen dafür die Verantwortung, das Vieh zu tränken. Für beide bedeutet dies einen durchschnittlichen Fußweg von vier km zur Wasserstelle. Gepflanzt wird, wenn es regnet. Traditionell gab es zwei Regenzeiten – der kurze Regen im Frühjahr, der lange Regen im Herbst. Inzwischen fällt der Regen unregelmäßig – im vorletzten Jahr blieb er ganz aus.

Die kenianische Regierung bemühte sich in den letzten Jahrzehnten um den Ausbau von Bewässerungssystemen. Doch nur 10% der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche verfügen bislang überhaupt über Bewässerungssysteme – und diese Flächen werden zumeist für den Exportanbau, zum Beispiel von Ananas, genutzt.

In einigen Gebieten Zentralkenias gibt es alte Kanäle, die noch aus der Kolonialzeit stammen oder später von Nichtregierungsorganisationen gegraben, aber von niemandem unterhalten wurden.

Das Ausheben eines Kanals - mühsame Handarbeit bei sengender Hitze.
Das Ausheben eines Kanals - mühsame Handarbeit bei sengender Hitze.

Wenyewe ist Kiswahili und bedeutet Eigentümer

Diese Kanäle sind verfallen und/oder übernutzt, Entnahmerechte sind nicht geregelt. Führen sie Wasser, kommt es nur unmittelbaren Anrainern zugute. Die Kleinbäuerinnenorganisation SACDEP will diese Kanäle nun wieder auf- und gleichzeitig für eine angemessene, verzweigte Bewässerung ausbauen. Deshalb sollen zuerst diese großen Kanäle wiederhergestellt werden und dann, von diesen Kanälen abgehend, verzweigte Bewässerungskanäle angelegt werden, die eine effektive Nutzung des Wassers durch die Kleinbäuerinnen ermöglichen sollen. Die Kanäle werden von ihnen selbstständig verwaltet und unterhalten. Ungefähr 100 Kleinbäuerinnen werden jeweils eine Zuleitung vom Hauptkanal bis zu ihren Feldern verantwortlich betreuen. Eine Bewässerung über die Wenyewe-Kanäle verlängert die Anbauzeit auf acht Monate im Jahr. Außerdem entfällt das Wasserschleppen. Die Ersparnis von drei bis vier Stunden pro Tag kann für andere Tätigkeiten genutzt werden.

Vom Kanal fließt das Wasser in Rohrleitungen zu den Feldern.
Vom Kanal fließt das Wasser in Rohrleitungen zu den Feldern.

Zum Eigentümer werden - Schritt für Schritt

Der erste Schritt liegt in der Organisation der Wenyewe-Kleinbäuerinnengruppe. Sie bestimmt ihre Repräsentantin, Präsidentin, Sekretärin und Schatzmeisterin. Gemeinsam entscheiden sie, wie die Rohre verlaufen müssen, um alle Felder zu erreichen, und nach welchen Regeln Wasser entnommen werden darf. Das Regelwerk wird mit Verantwortlichen der Ministerien, kommunalen Verwaltungen und Gemeindemitgliedern abgestimmt. Erst dann beginnt der Bau der Kanäle, der viel Eigenleistung fordert.

Bis das erste Mal der Absperrhahn geöffnet wird und Wasser aus dem Schlauch in die Furchen fließt, haben die Frauen viel gelernt. Die Anlage des Kanal- und Leitungsnetzes spiegelt ihren Zusammenhalt und das gewachsene Bewusstsein über die eigenen Möglichkeiten wider. Die Erfahrungen in anderen Regionen zeigen, dass die Kleinbäuerinnen ihre Fähigkeiten später auch an ihre Nachbargemeinden weitergeben, was gleichzeitig ein paar Schillinge in die Haushaltskasse spült.

Pro Bewässerungsanlage entstehen 11.133 Euro an Kosten. Innerhalb der nächsten vier Jahre sollen acht Bewässerungsanlagen gebaut werden, 800 Kleinbauernfamilien Wasser für ihre Felder bekommen. Dies macht pro Familie 111 Euro. Ihre Spende wirkt dank eines Zuschusses aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit vierfacht.

 

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