Eine Bibliothek für Pisco
Der lange Weg vom Plan zur Umsetzung
Die neue Bibliothek ist fertiggestellt und ermöglicht soll Schülern von sechs Schulen den Zugang zu Büchern und Internet.
Am 15.08.2007 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,9 auf der Richterskala die Stadt Pisco in Peru, etwa 250 km südlich der Hauptstadt Lima. Pisco wurde zu 50% zerstört. 30% der restlichen Häuser wurden unbewohnbar und mussten abgerissen werden. Herr Dr. Lozán, Klimaforscher, gebürtig aus Pisco und heute an der Universität Hamburg tätig, beschloss, sich für den Wiederaufbau seiner Geburtsstadt einzusetzen. Sein Ziel: eine zentral gelegene Bibliothek für sechs Schulen.
Kooperation mit vielen Akteuren
In Pisco nutzte Herr Lozán seine Kontakte. Schnell konnte er einen befreundeten Journalisten, eine Lehrerin und einen Rechtsanwalt für seine Idee begeistern. Auch waren nach dem Erdbeben die Stadtverantwortlichen bereit, ein passendes Grundstück (1.056 m2) in unmittelbarer Nähe der Schulen zur Verfügung zu stellen. Die Bauzeichnungen fertigte kostenlos die Universität Pontífica Católica del Perú (PUCP) an. Die Gesamtkosten wurden damals auf 200.000 USD geschätzt.
2008 wurde ein erstes Abkommen mit der Stadt unterzeichnet. Es sah vor, dass die Stadt Pisco die Hälfte der Baukosten (100.000 USD) sowie die späteren Unterhaltskosten (Personal, Strom, Wasser und Telefon) der Bibliothek übernimmt. Die andere Hälfte der Baukosten sowie die Kosten für die Ausstattung sollten durch Spenden finanziert werden. Zu diesem Zeitpunkt wendete sich Herr Dr. Lozán an die Zukunftsstiftung. Nach einem Besuch vor Ort willigten wir in eine anteilige Förderung ein.
Das ursprünglich hohe Tempo der Zusagen änderte sich nach Kommunalwahlen und neuer Zusammensetzung der Stadtverwaltung. Dank der vereinten Kräfte der Gruppe vor Ort und des Nachbohrens von Herrn Lozán gab es schließlich eine Vereinbarung mit der neuen Stadtverwaltung. Sie erklärte zudem ihre Bereitschaft, 150.000 USD der zwischenzeitlich gestiegenen Kostenkalkulation zu übernehmen. Nachdem auch der Bauantrag bewilligt wurde, konnte der Bau im Mai 2010 starten.
Diese Bibliothek ist die erste öffentliche Bibliothek in Pisco. Lesekultur in seiner Heimatstadt zu verankern, das ist es, was Herrn Lozán antreibt. Mit Alphabetisierungskursen sollen gezielt Menschen angesprochen werden, die bislang keinen Zugang zu Büchern hatten. In Peru sind 5,5% der Männer und 17% der Frauen Analphabeten. Unter den 15-jährigen kann rund ein Drittel nicht lesen und schreiben, ein Viertel aller Kinder geht trotz der allgemeinen Schulpflicht nicht zur Schule.
Veranstaltungen, Vorlesestunden und angeleitete Rechercheübungen sollen das Interesse an der Bibliothek bei Schülerinnen und Schülern wie bei Kindern, die nicht zur Schule gehen, wecken. Außerdem wird ein Internetsaal eingerichtet. Auch der Weg über das Netz könne ja zum Buch führen, so der Wissenschaftler.
Dank des Engagements der Stadtverwaltung und der Unterstützung vieler Spenderinnen und Spender hat Pisco nun eine öffentliche Bibliothek
Vielen Dank!


