Zuflucht, Stärkung und eine neue Perspektive

In Thali, einem Außenbezirk Kathmandus, konnte das bestehende Frauenhaus um einen Gebäudeflügel erweitert werden. Damit kann die Frauenunion zusätzlich 36 Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, gemeinsam mit ihren Kindern die dringend benötigte Zufluchtsstätte bieten.

Selbstbewusst empfangen Mädchen in traditioneller Tracht die Besucherinnen des Frauenhauses.
Selbstbewusst empfangen Mädchen in traditioneller Tracht die Besucherinnen des Frauenhauses.

Thali im April 2010. Mehr als 80 Kinder, Jugendliche und etwa 30 Frauen stehen vor mir. Sie alle sind festlich gekleidet. Ich bin eingeladen zu ihrem Fest. Nachträglich wird der erste Flügel des Frauenhauses eingeweiht. Mädchen führen Tänze auf und zeigen Karateübungen, Kinder und Jugendliche spielen kurze Sketche: Szenen aus einem beschwerlichen Leben, die von Gesundheitsvorsorge durch Hygiene oder von Rechten für Mädchen und Frauen handeln. Alle tragen etwas bei, äußern sich. Freude liegt über dem bunten Fest. Ich erkenne Ambika (RB 35), die mithilfe der Frauenunion ihre drei Töchter aus den Händen von Kinderhändlern befreien konnte. Andere Frauen und Mädchen fallen mir auf, über deren Schicksale mir die Leiterin der Frauenunion, Reenu Sharma, in den letzten Jahren berichtete. Innerlich wehre ich mich dagegen, an diesem strahlenden Tag die freudigen Gesichter mit den Berichten zusammenzubringen. Da ist die Frau des Parlamentariers, deren Kopfverletzung, verursacht vom Ehegatten, Spätfolgen zeitigt; da ist die Elfjährige, die vor zwei Jahren von ihrem Vater den Männern des Dorfes angeboten wurde, bis sie flüchten konnte. Die Frauen kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten Nepals – wenn auch arme, wenig gebildete Frauen vom Lande besonders betroffen sind.

Frauen der Frauenunion. Links an das hintere Gebäude wird der zweite Flügel angebaut. Das einstöckige Gebäude beherbergt Küche und Vorratsräume.
Frauen der Frauenunion. Links an das hintere Gebäude wird der zweite Flügel angebaut. Das einstöckige Gebäude beherbergt Küche und Vorratsräume.

Die Rechtsprechung wurde inzwischen zugunsten der Frauen geändert. Frauen können als Eigentümerinnen von Grund und Boden eingetragen werden. Auf Körperverletzung stehen nun Geldstrafen: Prügel 30 Euro, ein gebrochener Knochen 190 Euro. Allerdings wirken sich diese Gesetze im Alltag kaum aus. Doch die Frauen blicken nach vorne.

Ambika erlernte das Schneiderhandwerk und unterrichtet nun andere Frauen.
Ambika erlernte das Schneiderhandwerk und unterrichtet nun andere Frauen.

Hilfe im Frauenhaus

Die jungen Mädchen und Frauen, die Zuflucht im Frauenhaus suchen, erhalten während ihres Aufenthaltes medizinische Hilfe. Sie nehmen an Ausbildungskursen zum Erlernen von handwerklichen und einfachen kaufmännischen Fähigkeiten teil und erhalten rechtliche Unterstützung von den Anwälten der Frauenunion. Die Frauen und Kinder werden körperlich und seelisch so gestärkt, dass sie nach anderthalb bis zwei Jahren ein eigenständiges, selbstverantwotliches Leben führen können. Sie gründen kleine Unternehmen oder betreiben mit anderen Frauen Werkstätten, z.B. eine Weberei für Schals, oder erwerben eine Konzession für einen Marktstand.

 

Kinder im Frauenhaus.
Kinder im Frauenhaus.

Die jungen Mädchen bleiben so lange im Zufluchtshaus, bis ihre Ausbildung abgeschlossen ist. Ein Mädchen erzählt mir, sie wolle Ärztin werden, Ärztin für Frauen, denn das sei es, was hier in Nepal fehle.

 

Für Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, und ihre Kinder wurde dieser Zufluchtsort um einen zweiten Gebäudeflügel erweitert. Im Frühsommer 2012 konnte der Bau dank dem Einsatz der Frauenunion vor Ort, vieler Spenden aus Deutschland und der Unterstützung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung , fertiggestellt werden. Für die Ausstattung der zwei Häuser und den Betrieb ist die Frauenunion auf weitere Spenden angewiesen. Pro Platz für eine Frau werden 39,- Euro im Monat benötigt. Einen Teil finanziert die Frauenunion über eine eigene Produktionswerkstätte für Seiden- und Kaschmirschals, ein Großteil der Kosten muss jedoch durch Spenden gedeckt werden.

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